Die VANNOMADEN auf dem 1. Camper Van Summit Meeting Schnalstal

Ciao Südtirol! Ein Reisebericht vom 1. Camper Van Summit Meeting

Es ist immer was ganz Besonderes dabei zu sein, wenn etwas zum allerersten Mal stattfindet.

Wir waren eingeladen: zur Premiere des Camper Van Summit Meeting.

Was einen langen Namen trägt, lässt sich einfach zusammenfassen: 4 Tage auf Europas höchsten Stellplatz mit der Vanlife-Szene.

Die Veranstalter Peter Draeger und Markus Ritter (www.derkasten.de) haben einen südtiroler Stellplatz entdeckt, den man noch als echten Geheimtipp handeln kann: der CaravanPark im Schnalstal auf 2011 m Höhe. Eine berühmte Location, denn am Schnalstaler Gletscher wurden Szenen für den Everest Film gedreht. Und dort bringen die Initiatoren des CVSM den Kastenwagenfahrer mit allerhand Outdoor Aktivitäten zusammen. Ein absolut rundes Konzept.

Logbuch Tag 1, Reise nach Südtirol. 

Der September ist nicht nur Wiesnzeit und Herbstanfang, sondern auch der Monat der Grippeviren und Geschäftstermine. So startet also am Donnerstag Mittag nur eine Vannomadin mit Bjørn in Richtung Südtirol. Für uns Roadtripper ist ja eh immer der Weg das Ziel und so wird dieser auch genossen, wenn auch diesmal allein im Fahrhäuschen. Es flankieren blutrote und leuchtend gelbe Bäume meinen Weg in Richtung Alpen und läuten farbenprächtig den Herbst mit T-Shirt-Wetter ein. Über Bergpässe und Serpentinen schlängeln Bjørn und ich uns im Nu durch zwei Länder und kleine Apfeltransporter und Weinplantagen erzählen, dass wir jetzt in Italien angekommen sind.

Den letzten Pass fahre ich dann leider nicht mehr in Gesellschaft von Tageslicht, dafür mit den Kollegen von Whatabus. Wir bilden zusammen quasi einen kleinen Pössl Konvoi.

Auf 2011 m Metern angekommen ist es nicht nur Nacht geworden, sondern auch Winter. Die frische Bergluft und die ersten Blogger mit Wollmützen empfangen uns. Es wird geparkt, gegrillt, gefachsimpelt über Vans und Reiseziele.

Wir sind wir umgeben von Bergpanorama, Ziegenherden und Frischluft. 

Mit einem Gast habe ich am Wochenende darüber geredet: Dieser ganz besondere Zauber, wenn man nachts ankommt und morgens das Rollo vom Kastenwagen hochschiebt und plötzlich in einer neuen Welt aufwacht. Dieser magische Moment ist auch nach über 450 Tagen im Van immer noch ganz besonders.

Hinter dem Faltrollo vom Bjørn ragt eine imposante Berglandschaft auf, die der Nebel zur Hälfte mit seinem weißen Netz eingehüllt hat. Ein kleiner Bach und eine Ziegenherde sorgen für die obligatorische Soundkulisse.

Ich bin in den Bergen! Wer uns Vannomaden ein bisschen verfolgt, der weiß, wie sehr Paul und ich den Winter und die Berge lieben.

Wie bei einem Kind an Weihnachten sammelt sich die Aufregung im Bauch und macht meine verschlafenen Augen ganz groß. Jetzt gucke ich mir erstmal die Blogger Village an.

Hier kommen so unterschiedliche Fahrzeug und Menschen zusammen, das allein würde schon für die Unterhaltung eines ganzen Wochenendes reichen. In einer Wagenburg aneinandergereiht stehen da: Der Outdoor-Blog.com mit Kinderfahrrad am Heckträger, Patascha’s World (pataschasworld.com) mit selbstausgebautem Zuhause, comewithus2 (comewithus2.com) im blauen Bus mit Schiebetüre auf der Fahrerseite, Movin’n’Groving (movingroovin.de) im grauen VanTourer, Take an adVANture (takeanadvanture.com) im noch hochzeitlich geschmückten VW-Bus, unser Bjørn (vannomaden.de), ein roter Pössl 2 WIN Plus, Whatabus (whatabus.de) im weißen Pössl, Roadtyping (roadtyping.de) mit ihrem T5 mit Aufstelldach, Dr. Camp (drcamp.de) im Westfalia-Kasten und der outdoor-Blog.org mit einem umgebauten Fiat. Jeder hat eine Menge Reisepläne und Schabernack im Kopf und die werden auf den Biergartengarnituren, die jeder vor seinem Fahrzeug hat, erstmal mit heiß dampfenden Kaffee aus den obligatorischen Emaille-Becher ausgetauscht.

Draußen sein

Um 10 Uhr kommt Bewegung in das Meeting, Mountainbiker laufen mit Funktionskleidung über den Platz und eine Ebene unter der Blogger Village füllt sich auch die Markenwelt, stolz gehisste Flaggen und Banner kündigen die Brands an.

Ich schlage mein heutiges Büro im Schnalstal auf und trotze der Kälte mit dicker Jacke und heiß laufendem Laptop.

Es ist Freitag und man ist eigentlich den ganzen Tag draußen – jeder auf seine Art. Es wird gewandert, gearbeitet, Drohnen steigen auf, Ziegenherden steigen ab, Besucher kommen mit Keksen, Kaffee und Fragen vorbei, Hunde necken sich und Blogger taggen sich.

Genug Freiraum, damit jeder sich einen Tag aus Entspannung, Action, Workshops oder Gesprächen bis zum gemeinsamen Abendessen vertreiben kann.

In der Karawane ziehen mit Stirnlampen alle Teilnehmer des CVSM zum Hotel, wo es ein erstklassiges Südtiroler-Abendessen gibt.

Mit Blick auf die Buffetschlange stelle ich fest, wieviele Menschen doch hier zusammengebracht worden sind und welche: Wanderschuhe, Outdoorjacken und zerstrubelte Mützenfrisuren zeigen, dass wir es hier mit Outdoor-Begeisterten zutun haben. Ich fühl mich gleich wohl.

An unserem Tisch wird von der Allgäu-Orient-Ralley, Gewinnspielen, Schnapszahlen und Nordkapreisen geredet, die Stubenluft und die Begeisterung malt uns alle rote Bäckchen ins Gesicht.

Der erste Abend klingt am Lagerfeuer aus.

Die gesamte Südtiroler Klimapalette an einem Tag

Neuer Tag. Neues Wetter. Die Markisen werden als Regenschutz ausgefahren und wir frühstücken alle vor unseren Campervans. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Keiner verkriecht sich hier im Fahrzeug. Irgendwann entscheidet sich dann aber der Berg uns ein anderes Wetter zu bieten und der Nebel steigt immer höher auf, bis wir schließlich an der roten Bergbahn entlang bis zum Gipfel blicken können. Die Sonne lacht uns an. Trailrunner und Wanderer verzieren die Berge und Täler wie bunte Farbkleckse, doch mir kommt ein ganz anderer Plan in den Sinn: Ich werde die Snowboardsaison eröffnen! Sonnenschein und ein Gratis-Liftticket für die Teilnehmer des Meetings laden zum Wintersport ein. Mit meiner Nachbarin Elisa von take an adVANture präpariere ich mich für die erste Abfahrt in dieser Saison. Und dann auch noch in Italien! Da wird der Paul aber neidisch werden…

Von Blogger-Kameras und amüsierten Blicken verfolgt stapfen wir mit den schweren Snowboardboots und leichten Pullis zur Gondel. Ja richtig gehört: in nur 2 Minuten Fußmarsch entfernt befindet sich nicht nur ein Lift zum Skigebiet, sondern auch noch eins zum Gletscher.

Wir tauschen kurzerhand Van gegen Gondel und lassen uns auf über 3200 hochtragen.

Eine Gaudi! Zwar hat bisher nur eine Piste offen und die teilen wir mit Nachwuchs-Slalomfahrern, aber wir grinsen beide wie zwei Kinder und halten glücklich Schnee in den Händen und kacheln ein paar Mal die Piste runter.

Dunkle Wolken und ein Blick auf die Uhr erinnern an die nächste Veranstaltung.

Also schnell ab ins Tal, duschen, Schokolade essen, Snowboardequipment verstauen, Visitenkarten eingepacken und wieder auf dem Weg nach oben – diesmal in Europas höchstgelegenes Hotel. Das Camper Van Summit macht seinem Namen wirklich alle Ehre.

Lauter Gipfel an einem Abend

Und wer jetzt denkt, dass der Samstag Abend ja nach so einem grandiosen ersten Abend eh schon verloren hat, der irrt sich gewaltig.

Wir Blogger und Reisenden erleben ja eine Vielfalt an Abenteuern und ein paar berichten in packenden Vorträgen von Winterreisen zum Nordkapp oder der überraschenden Schönheit Albaniens. Leider schaffe ich es vor lauter Quatschen an meinem kleinen Tischchen nicht zu allen Erzählungen und Präsentationen!

Mit vielen Bildern im Kopf geht es nun zum kulinarischen Höhepunkt des Wochenendes: ein Knödl-Degustations-Menü. OH MEIN GOTT! Muss man noch mehr sagen? Eingebettet zwischen kuriose Knödlvarianten garnieren wir das Abendessen mit Gesprächen über Extremläufe, 24/7 im Van leben, kleinen Rechenspielen auf der Getränkekarte und Kennenlerngeschichten.

Der Abend der Superlative geht weiter: Gela Allmann haut uns alle vom Hocker.

Die professionelle Sportlerin stürzte bei einem Skitourenfotoshooting auf Island 800 Höhenmeter über Eis, Fels und Schnee ab. Sie überlebt. Sie ist aber schwerverletzt in ihrem Körper gefangen und ihr ganzes Leben ändert sich von einem Tag auf den anderen. Mit Unterstützung von Freunden, Familie, Ärzten und Physiotherapeuten und angetrieben von einem unbändigen Willen, kämpft sich Gela zurück ins Leben und die Berge und erzählt uns in eigenen Worten und ihrem Film „ONE STEP“ davon. So viel Kraft gebündelt in einer Frau, die positive Energie ausstrahlt, nahbar, authentisch und sympathisch wirkt, beeindruckt nicht nur mich sehr tief.

One Step Trailer: https://vimeo.com/152058154

Auf der Fahrt zurück ins Tal, fahre ich im Geiste in eine ganz andere Richtung und hab sogar noch die Ehre mich mit Gela auszutauschen – auch wenn ich dabei aufgeregt bin, wie ein kleines Schulmädchen.

Jetzt teilen sich die Gäste in zwei Lager: Fraktion DJ und Pub und Fraktion Lagerfeuer. Ich war bei letzterer dabei – ursprünglich auf das obligatorische „eine Bier“.

Grad bei so einem Outdoor-Testival mit Draußenmenschen und Abenteuergeschichten finde ich, bietet sich kein besserer Abendausklang als ein Lagerfeuer an.

Was man dafür alles braucht?

Zutaten für einen gelungenen Lagerfeuerabend: 
  • ein Haufen wissbegieriger und redseliger Draußenmenschen
  • verschiedene Biere oder Weine
  • das warme Knistern von Feuerholz
  • Ideen im Kopf, über die man stundenlang reden könnte
  • Marshmellows und was zum Schnitzen
  • eine dicke Jacke, die ewig warm hält
  • irgendwelche Snacks, die man rumgeben kann
  • Abenteuergeschichten von fernen Ländern
  • Akustische Gitarren oder alternativ eine Soundbox
  • und eigentlich noch Sternenhimmel – war leider aus, wir haben Nieselregen gekriegt
  • So wurde aus „setz mich noch auf ein Getränk dazu“ eine lange, letzte Nacht, die zwar keine Sternschnuppen, aber inspirierende Gespräche über den Nachthimmel gejagt hat.

„Aber brenna tuts guad“. 

3-Länder-Sonntag

Zähneputzen. Ab ins Bett. Und schon war der letzte Tag des Camper Van Summit Meeting da. Der kommt ja bekanntlich immer so plötzlich wie Weihnachten.

Das klamme Wetter und tief hängende Nebelwolken luden diesmal zu einem langsamen Start in den Tag ein. Und weil ich ja ganz allein im Bjørn war, dachte ich mir: mein rechter, rechter Platz ist leer, da wünsch ich mir die Franzi und den Marius von Roadtyping her. Mit den zwei Kreativköpfen und ihren liebevollen Produkten entstand sofort eine gemütliche Atmosphäre und wir tauschten uns rege aus, bis immer mehr Leute an die Tür klopfen um sich zu verabschieden. Das Regenwetter hatte leider bis Mittag für einen fast leeren Platz gesorgt.

Ich machte also auch noch einen finalen Rundgang und guckte mir ein die Raumaufteilung im HymerCar an, die Lösung von truma, damit man Nachts nicht mehr aufstehen und die Gasflaschen tauschen muss und ein paar lustige Kniffe, die andere Vanlifer in ihrem Zuhause auf 4 Rädern optimiert hatten.

Inzwischen war es 15 Uhr und die übergebliebenen Fahrzeuge konnte man an zwei Händen abzählen. Ein Gruppenbild der restlichen Blogger nahm ich als offizielles Finale der Veranstaltung.

Das war also der #cvsm. Man folgt und liket sich – online und privat und verabredet die nächsten Treffen und umarmt sich auf dem Weg zum Sanitärhaus und dem Fahrzeug noch so 2-3 mal.

Alle schwärmen, ein paar verlängern. Können sich einfach nicht losreißen vom schönen Schnalstal. Ich sitze gegen 4 wieder im Pössl, will zurück zu Paul.

An diesem Sonntag jagte ich mit Bjørn tatsächlich noch durch 3 Länder inklusive Fotostopp am italienischen See und Grenzkontrolle in Österreich.

Vom Treffen nehm ich nicht nur ein Sammelsorium an Momenten mit, sondern auch ein bisschen Schnalstaler Erde im Bjørn, ne leere Gasflasche, Vanlife-Fachsimpelei und Postkarten von den Roadtyping-Freunden.

Wir streichen uns schon mal den 03. – 07. Oktober 2018 rot im Kalender an, denn da geht das Camper Van Summit Meeting in die zweite Runde.

Und da man in Italien „Ciao“ für Hallo UND Tschüss sagt, möcht‘ ich mich grad anschließen:

Ciao, Camper Van Summit Meeting!

Autoren:
Katharina Lanz von den VANNOMADEN exklusiv für PÖSSL