Die VANNOMADEN: Auch Bären können frieren – wie wir unseren Bjørn winterfest machen

-15° Celsius. Ein Blick aus dem Fenster. Diesmal stehen wir nicht auf über 2000 Höhenmeter am Pitztaler Gletscher, sondern einfach auf 600m in Tirol.

Wo Insassen auf Zwiebellook und warme Funktionskleidung oder Omastrick zurückgreifen, steht unser Reisemobil Bjørn erstmal nackig da.

Seit 3 Monaten sind wir in den Alpen unterwegs, unser Pössl 2 WIN Plus hat kein zusätzliches Winterpaket. Zu dritt ist das unsere erste Wintersaison, deswegen werden wir bestimmt noch ein paar Tricks und Kniffe dazulernen, aber für alle schneeaffinen Nomaden oder Camper hier schon mal unsere Anti-Frier-Liste für Bjørn.

Was jeder ohne Zusatzshopping machen kann: die Lüftungen im Fahrerhäuschen schließen und von Außenluft auf Innenzirkulation stellen. Bei Frischwasserzufuhr wenn möglich gleich mit warmen Wasser auffüllen und darauf achten, dass abends alle Faltrollos runtergezogen sind, den sie schützen nicht nur vor Blicken, sondern auch vor Kälte. Für extrem kalte Tage haben wir noch eine Dämmmatte für die Windschutzscheibe und die Seitenfenster gekauft, die wird von innen mit Saugnäpfen befestigt.

Ist das nicht kalt im Winter?

Von Freunden hören wir ja oft die Frage „Ist das nicht kalt im Winter?“. In der Tat, der Winter in den Alpen ist zapfig und der Sommer in Norwegen übrigens auch. Aber frieren müssen wir ja zum Glück nicht, denn wir haben eine Gasheizung von Truma verbaut und kommen selbst bei tiefsten Minusgraden mit einer 11kg Flasche gut 6 Tage aus. Dabei ist die Heizung nicht mal auf die höchste Stufe gedreht. Wäre Sie das, könnten wir wahrscheinlich eine Sauna im Van eröffnen – also ist sie meist auf Stufe 2-3.

Wichtige Lebensweisheit, aus der Kategorie „Vom Leben gelernt“, am Rande: Das Gas geht IMMER nachts aus…

Aber egal wie hoch der Regler gedreht wird, wer heizt, muss auch lüften. Morgens uns abends (wir machen’s immer beim Snowboardboots an- oder ausziehen) alle Fenstern und Türen öffnen und die Luft zirkulieren lassen.

Übrigens schalten wir die Heizung nie ab, auch wenn wir mal ein paar Stunden beim Snowboarden sind, läuft die Gasheizung auf der geringsten Stufe, sodass uns die Wasserleitungen nicht platzen.

Wenn nicht auf 4 Rädern, dann sind wir am liebsten auf einem Brett unterwegs

Wahrscheinlich könnte man zum Thema Snowboarden nochmal einen gesonderten Eintrag schreiben, deswegen sei hier nur in aller Kürze erwähnt, dass wir unsere Boards mit Snowboardträgern auf dem Dach verstaut haben. Gegen das Rosten der Kanten hilft der Allrounder WD40: einsprühen, mit einem Stück Küchentuch abfahren und freuen. Nasse Snowboardklamotten hängen wir zum Abtropfen mit der Wäschespinne ins Bad und die Schuhe stehen im Kofferraum relativ nah an dem Heizungslüfter. Bei besonders nasskaltem Schneewetter stopfen wir sie noch mit Zeitungspapier (wer keins zur Hand hat, kann auch die Tüte vom Bäcker nehmen) aus.

Wie beim Menschen gilt auch hier die Regel: die Kälte kommt über die Füße.

Damit auch Bjørn unten warm eingepackt ist, helfen wir mit Teppich nach.
Eine kostengünstige Variante gibt es beim Baumarkt mit Teppich-Meterware oder 3m langen Bodenläufern. Wir haben mit Cutter und Lineal nachgeholfen und unseren grauen und roten Teppich passgenau zugeschnitten. Am besten achtet man auf ein weiches Obermaterial und eine zumindest dünne Isolierung des Bodenbelags.

Kostenpunkt: 20 Euro. Wer hier ein sein Heimwerkergen rauslässt und selber bastelt, der spart ungemein.

 Ich packe meinen Kofferraum ….

 Ein Blick in unserer Wintertoolkit verrät außerdem, was wir noch für nützliche Gegenstände dabei haben:

Eine Wäscheklammer. Die kommt außen an die Heizung und zaubert Stalagmiten am Boden, anstatt das Wasser am Lack herunterrinnen zu lassen.

Klein, sensibel, aber lebenswichtig: die Tauchpumpe. Im Winter muss man noch vorsichtiger sein und trotzdem kann es schnell gehen, dass Frost, kleine Teilchen oder andere Überraschungen den Wassergenuss im Van verwehren. Deswegen: Immer einen Ersatz dabei haben und die nötigen Handgriffe zum Wechseln kennen.

Thermometer: wir haben es direkt neben den Temperaturfühler geklebt, um genau zu wissen, wie warm es im Bjørn ist.

Frostschutz: Universalmedizin für gefrorene Abwassertanks oder Scheibenwischwassermischungen. Wir kaufen den -60 Grad Kanister im Baumarkt.

Schneeketten: Bisher noch originalverpackt bei uns im Kofferraum, aber irgendwann wird der Zeitpunkt kommen.
Schneeschaufel: gehört eigentlich zu unserem Freeride-Equipment, beim Nivellieren des Vans oder Ausgraben aber unabdingbar.

Wundermittel Salz: ist eh in der Küche, kommt aber auch als Eislöser mit kochendem Wasser z.B. auf der festgefrorenen Stufe zum Einsatz.

12V-Föhn: nicht nur für die Haare praktisch, sondern auch zum Wärmen angefrorener Tankdeckel. Die KfZ-Buchse erlaubt schnellen Einsatz über die Fahrbatterie.

Hausschuhe: einfach, aber mächtig. Die Tiroler Filzschlappen oder der große Bruder vom Ikea helfen ungemein bei kalten Füßen.

Faltwanne: sollten wir den Abwassertank bei starken Minusgraden offen haben, dann können wir unser Grauwasser in dem faltbaren Gefäß auffangen.

Wärmflasche: Ok, wurde zwar noch nie am männlichen Geschlecht gesichtet, aber für die Damenwelt ganz großer Komfort.

Tee und Thermoskanne: Wir könnten jederzeit zur Internationalen Teeparty laden und hätten wohl an die 10 verschiedenen Sorten aus ganz Europa im Angebot. Wärme von Innen. Lieblings-Winterfeuer: frischen Ingwer, Honig und Minzblätter.

 Vorhang auf für unser Wundermittel. Oder eher Vorhang zu …

So und zu guter Letzt unsere Wunderwaffe gegen die Kälte: ein roter Baumwoll-Vorhang. Erinnert an eine Theaterbühne oder einen roten Teppich zu den Oscars. Beides schicke Assoziationen, wieso also nicht.

Vorab eine kleine Rechnung: während wir schlafen, powert sagen wir mal 8 Stunden die Heizung und wärmt das komplette Auto. Über die Pedale, Frontscheiben und generell das Fahrerhäuschen geht unheimlich viel Energie verloren. Aber auch den Wohnbereich nutzen wir in diesen Stunden nicht, weswegen wir uns gegen einen teuren und nicht so schicken Thermo-Vorhang aus dem Campingbedarf entschieden haben.

So haben wir uns die Kälte im wahrsten Sinne des Wortes vorgeknöpft: eine Decke mit möglichst hohem Baumwollanteil hängen wir mit Druckknöpfen zwischen Bad und Schlafbereich und machen nur dort die Heizungsdüsen auf. Auch die Kältepforte bei der Schiebetür wird so erfolgreich abgeschirmt. Der Clou: Alle Wasserleitungen liegen trotzdem noch im gewärmten Bereich. Dank des Paul’schen Druckknopf-Systems ganz easy und überall zu befestigen. Und dank des Möbelhauses mit perfekten Maßen, sodass wir nicht mal zuschneiden mussten. Der Vorhang darf zum Wärmeschutz ruhig wie ein bisschen zu langes Abendkleid auf dem Boden schleifen, denn so dämmt er nach unten und verhindert eine ungewollte Luftzirkulation. Und vielleicht kommt dann bald noch eine weiße VANNOMADEN Stickerei drauf.

Kostenpunkt: 47 Euro für Decke und Druckknöpfe.

Ergebnis: 10 Grad Temperaturdelta zwischen Schlaf & Essbereich und die Gasflasche reicht fast 2 Tage länger!!! Nebeneffekt: Tagsüber hat man eine hübsche Wolldecke zum Zudecken und nutzt so doppelt.

Mit unserer Ausrüstung gibt’s jetzt keine Grenzen mehr. Nicht nach oben, wir rocken die Höhenmeter der alpinen Gebirgswelt. Nicht nach unten, wir sind auch für Minustemperaturwelten in Lappland gerüstet. Und nicht in die Ferne. Denn dank der vielen offenen Grenzen können wir uns unbeschwert und frei innerhalb Europas bewegen, was in der heutigen Zeit ein rares Gut geworden ist. Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Frankreich, Schweiz, Österreich … unsere Scratch Map wird immer bunter.

Liebe Grüße und „Houde“, eure VANNOMADEN